Däumchen drehen

Eine Strategie besteht darin, Däumchen zu drehen. Anstelle etwas zu sagen oder zu denken, einfach Däumchen drehen. Dies soll aus der Kettenreaktion rausführen und mehr Pausen bringen. Ich persönlich konnte diesen gut gemeinten Ratschlag nicht umsetzen. Ich wollte einfach reagieren, auch wenn es zum Nachteil führte. Wenn du es aber schaffst, einfach Däumchen zu drehen, dann kann dies eine gute Idee sein.
Wieso schaffte ich es nicht Däumchen zu drehen? Man sagt ja, wovon das Herz voll ist, das spricht er aus dem Mund. Mein Herz war wohl voll, weshalb es aus mir raussprudelte. Ich wollte dies nicht geheim halten. Einige Jahre später, merkte ich, dass das Herz eines jeden Menschen mit anderen Dingen voll ist. Für eine Kollegin waren ihre Enkelkinder wichtig. Anderen ist es wichtig, was sie im Computer erschaffen haben. Wieder andere wollen einfach sein. Ich musste realisieren, dass meine Gedanken bei weitem nicht so interessant für andere sind, wie sie für mich selbst sind.
Däumchen zu drehen, bedeutet auch, zuhören zu wollen und von sich selbst weg zu kommen. Es ist nötig, andere Menschen anzuhören, damit man überhaupt versteht, was diese benötigen. Zuhören und Däumchen drehen, kann uns also ganz neue Welten aufgehen lassen. Wenn es für uns möglich wird, zu schweigen und zu hören, werden wir interessanter für andere, wodurch wir die Erlaubnis bekommen werden, frei von uns zu sprechen. Dann fordert man plötzlich von uns, zu sprechen, weil wir Däumchen drehen. Dann muss man uns zuhören, weil man es so wollte.

sprachlos

Sprachlos zu sein, ist eine spezielle Form des Schweigens. Wir schweigen dann, weil wir nicht wissen, was wir dazu sagen sollen. Wir können sprachlos sein, wenn etwas uns empört oder verärgert. Wir können auch keine Worte mehr finden, wenn es einfach zu weit ging. Sprachlos zu sein, ist auch nichts schlechtes, wenn man es auf die richtige Art und Weise tut. Wir müssen nicht auf alles eine Antwort finden. Sprachlos zu sein, bedeutet auch, es sein zu lassen, wie es ist. Sprachlos zu sein, bedeutet also, es leer zurückkommen zu lassen. Es ist sehr wichtig, dass wir sprachlos sind, damit wir uns nicht wehren und nicht reagieren. Sprachlos zu  sein führt dazu, die Kettenreaktion zu unterbrechen.

Anstatt sich zu schämen, besteht also eine Möglichkeit, dass es uns die Sprache verschlägt. Dadurch wird weitere Kommunikation zum selben Thema völlig überflüssig. Es ist viel besser, sprachlos zu sein, als irgendwie auf die automatischen Gedanken und Halluzinationen zu reagieren. Es braucht zudem eigentlich niemals eine Antwort, ausser etwas erfreut uns extrem. Freuen wollen wir, weshalb wir Freude weitergeben sollten. Ist etwas einfach nur schön, dann ist es das falsche, wenn wir die Freude sprachlos unterbinden. Es geht auch beim sprachlos Sein darum, es auf die richtige Art und Weise zu tun, damit es keine negativen Konsequenzen mit sich bringt.